Familienwandel

Meine Mum war zu Besuch – was mich zum Nachdenken über meine Familie bringt. In unserer Familie gab es keine Gewalt. Aber es gab Sprachlosigkeit und Verdrängen, wegsehen und schön reden. Mein Vater war sehr depressiv und traumatisiert von seiner Kindheit (vermutlich, denn: darüber wurde nicht gesprochen). Er hatte für sich einen Weg gefunden, stabil zu bleiben: Durchhalten, weitermachen, keine Gefühle zulassen. Eine Zeit lang nahm er wohl heimlich Antidepressiva. Manchmal kochte er über wie ein Dampfkochtopf und schnappte nach einem. Böse Worte, fast zickig. Er war leicht zu verletzen und teilte dann aus – aber nie vor anderen, immer … Familienwandel weiterlesen

Fluchtimpuls

Ich will die Klinik verlassen. Am Montag bin ich hier angekommen, endlich, nach ewigen Verschiebungen. Und ich kann es nur schwer aushalten, die Mitpatienten, das Zimmer in dem man zu zweit schläft. Ständig habe ich das Gefühl, man lacht über mich und die anderen reden. Jede Gesprächspause bezieht sich auf mich. Jeder Blick ist böse und verächtlich. Alles gut gemeinte „das sind Gefühle aus der Vergangenheit“ prallt ab. Ich ertrage die Nähe der Anderen nicht. Ich habe ein Beruhigungsmittel bekommen und darf nachher mit der Ärztin sprechen. In mir ist aber alles auf Flucht. Ich kann es nicht gut aushalten … Fluchtimpuls weiterlesen

Es geht los

Morgen beginnt die Klinik Es ist soweit, morgen früh beginnt die stationäre Klinik für mich. Langsam kommt die Aufregung, und ich kämpfe mit mir selbst. Habe gestern den ganzen Tag getrunken und bin dementsprechend total spät dran mit dem Packen und Vorbereiten. Und ziemlich fertig. Uff. Selber Schuld. Ich habe im Moment so viele Erinnerungen die nerven, vor allem meine letzte „Beziehung“, der schmerzhafte Kontaktabbruch weil er meine Grenzen nicht respektiert hat. Die Trauer, weil er mich nicht ernst genommen hat und nicht verstanden hat, wenn ich etwas nicht wollte. Wie kann das jemandem gleichgültig sein? Wie kann mich jemand … Es geht los weiterlesen

Positiver Selbstbetrug

Wie ich mich zur Klinik überrede, obwohl ich aufgeben möchte. Ich bin auf der Warteliste für eine psychiatrische Klinik, einen stationären Aufenthalt. Es ist noch ein guter Monat, bis ich starten werde. Eigentlich wollte ich das nicht. Ich wollte aufgeben und mein Leben beenden, weil nichts Positives mehr da zu sein scheint. Ich stellte aber mal wieder fest, dass es gar nicht so einfach ist, Suizid zu begehen. So viele Faktoren zu berücksichtigen, so viel vorzubereiten. Ich hatte das Gefühl, dafür nicht die Kraft zu haben. Ich muss Rücksicht auf Familie, Freunde und Nachbarn nehmen, muss sicher gehen, dass alles … Positiver Selbstbetrug weiterlesen

Schöne Jahre

Ein Stück Oldenburg für schlechte Zeiten. Oldenburg ist die erste Stadt in die ich gezogen bin, weil ich sie mochte. Ich hatte meine Ausbildung abgebrochen, eine Klinik hinter mir und war planlos. Aber ich wusste, ich liebe Oldenburg. Erst als ich dort war fand ich heraus, wie es weiter gehen sollte und entschloss mich – Gegen den Rat vom Arbeitsamt – mein Abi nachzumachen. Die Zeit war nicht immer leicht, bestimmt nicht. Aber bei jedem Kampf hatte ich das Gefühl „Ich schaffe das irgendwie“. Ich hatte Ziele und vor allem: Wünsche und Träume meiner Zukunft. Wie schön es werden würde. … Schöne Jahre weiterlesen

Die irrationalen Traumatisierten

Ich habe mich triggern lassen. Was mich zu Gedanken über unserem Umgang mit Traumatisierten bringt. Tja, ich wurde gerade zum ersten Mal von einem Artikel so getriggert, dass ich ihn wütend kommentiert habe. Und darauf entspannte sich natürlich eine Kommentarflut über „emotionale“, „unsachliche“ Diskussionen und meine „Hysterie“. Mir wird erst langsam bewusst, wie seltsam unser Umgang mit Traumatisierten ist. „Dein Trauma gibt dir kein Recht, ein Arschloch zu sein“ ist ein vielzitierter Spruch. Es geht hier nicht nur um tatsächliches Fehlverhalten, sondern oft einfach um die – unsachliche, natürlich! – schlichte Wut Betroffener. Hier argumentiert ein Mensch emotional, weil das … Die irrationalen Traumatisierten weiterlesen

Ausgekotzt

Ich habe mir endlich eingestanden, missbraucht worden zu sein. Wenn man meinen letzten Eintrag liest denkt man wohl, ich wüsste das schon lange. Das stimmt aber nicht. Noch ein paar Einträge zuvor schreibe ich von einer „unguten Freundschaft“ und davon, dass ich ja nicht traumatisiert bin. Aber dann las ich Beiträge in anderen Blogs. Und dachte: Das kenne ich. Das ist mir auch passiert. So fühle ich mich. So war es. ICH habe gedacht, ich kann nicht missbraucht worden sein, weil er auch freundliche Seiten hatte, mir „Liebe“ gab. Er war kein Monster wie im Film, sondern ein echter Mensch. … Ausgekotzt weiterlesen

Die Legende vom bösen Mann

Unsere Idee von Missbrauch muss sich dringend ändern Als ich jung war, wusste ich recht wenig über Missbrauch. Ich hatte natürlich mitbekommen, dass man nicht zu Fremden ins Auto steigen sollte, und dass es böse fremde Männer (natürlich nur Männer) gab, die einen in ihren weißen Lieferwagen zerren wollten. Das waren natürlich hässliche Gremlins, die sozial total unbeholfen waren und einen mit Messern bedrohten. Die einen verprügelten, vergewaltigten, fertig. Schlimm, schmerzvoll, grausam. Danach war man ein ewiges Opfer, ein Fall für Kai Pflaume, der in seiner neuesten Sendung einem die Kamera ins Gesicht drückte (vielleicht gibt es ja Tränen!?) und … Die Legende vom bösen Mann weiterlesen

Weitermachen, obwohl nichts mehr geht

Ich komme an meine Grenzen und entscheide mich, mir Hilfe zu holen Die letzten Tage und Wochen waren die Hölle, ein einziges auf und ab. Fröhliche Tage mit Freunden und Bekannten wechselten sich ab mit massiver Selbstabwertung. Es ist so viel passiert in den letzten Monaten. Mein bester Freund (plus, wie modern!) und ich sprechen nicht mehr miteinander. Seine letzten Worte an mich waren: „Ich glaube nicht, dass du ein schlechter Mensch bist.“ Komisch, ich denke genau das. Bin ich zu viel für meine Freunde? Ist ER ein schlechter Mensch? Kann ich auch einmal eine „normale“ Beziehung ohne Drama und … Weitermachen, obwohl nichts mehr geht weiterlesen

Die Brücke in die Vergangenheit

Oder: Probleme mit einem Tagesklinik-Pfleger, der nur seinen Job machte Dieser Eintrag beschäftigt sich mit negativen Erinnerungen und Gefühlen, die in der Gegenwart wieder auftauchen. Es ist ein sensibles Thema. Wenn ihr wisst, dass es euch persönlich stark beschäftigt, solltet ihr den Text vielleicht überspringen. Ich werde allerdings nicht über meine Vergangenheit im Detail schreiben, sondern nur über die Auswirkungen im Heute. Als ich 2015 zum ersten Mal in „meine“ Tagesklinik kam, war ich in einer ziemlich sensiblen Lebensphase. Die neuen Erfahren und das ungewohnte Umfeld stressten mich sehr. Ich war gleichzeitig auch noch relativ unerfahren was Selbstreflexion, meine Gefühle … Die Brücke in die Vergangenheit weiterlesen